As you wish my Lady – Eine Rezension

jo pollux und Sadie Lune - As you wish my Lady - Cover

Als ich vor ein paar Tagen mein Exemplar von „As you wish my Lady“ im Briefkasten hatte, wollte ich es sofort verschlingen. Allerdings war es gegen elf Uhr am Vormittag, die Nacht mit dem kleinen Terrorzwerg war hart, ich unausgeschlafen und die kleine Domina wollte die Ihr zustehend Aufmerksamkeit. Nicht die beste Voraussetzung, um den neuen Bildband von Jo Pollux und Sadie Lune zu genießen.

Also legte ich den Band schweren Herzens ins Regal, mit dem Vorsatz, ihn zu genießen, sobald ich die Zeit und die Ruhe habe, die dem Buch gebührt. Und dieser Tag war heute. Was soll ich sagen, das Warten hat sich gelohnt!

Technik und Gestaltung

Fangen wir mit dem ersten Eindruck an. Wie es sich für einen Bildband gehört, ist es ein Hardcover, sauber gebunden und haptisch sehr ansprechend, im Großformat. Der Karton des Einbands ist stabil, die Seiten dazwischen sind ebenfalls schönes, hochwertiges Papier. Ich habe keine Ahnung, wer auf die dumme Idee kam, Softcover-Bildbände herzustellen. Danke Konkursbuch, Jo und Sadie, daß Ihr euch auf sowas nicht eingelassen habt! Einziger, kleiner Wermutstropfen: ich hätte mir noch einen Schutzumschlag gewünscht. Dann wäre es perfekt! Jedoch auch so ist es ein hochwertiger Bildband.

Die Gestaltung von „As you wish my Lady“ ist für mich als Grafiker einfach nur gelungen. Hauptsächlich ein- und Doppelseitige Fotos, immer wieder aufgebrochen von einzelnen, weißen Seiten mit kleinformatigen Bildern, die das Auge wunderbar durch die Welt, die uns hier gezeigt wird, lenken.

Die Texte sind weiß auf schwarz gesetzt, was für die Lesbarkeit immer ein bisschen gefährlich ist. Allerdings ist durch die hohe Qualität des Drucks und die gute Typografie hier alles sehr gut lesbar. Ein angenehmer Satzspiegel mit genug Leerraum tut ein weiteres dazu, dem Band eine sehr hohe Wertigkeit zu geben.

Die Bilderwelt

Jo Pollux und Sadie Lune - As you wish my Lady

Wer mich kennt, der weiß: FemDoms sind nicht mein Kink. Der weiß allerdings auch, ich sehe gerne auch hübsche Männer schön leiden. Und die Welt, in die Jo Pollux und Sadie Lune uns entführen ist voll von bittersüßem Leid. Wer hier allerdings massenkompatible, weichgezeichnete Kost erwartet, der sei gewarnt. Neben Nähe und zarter Qual gibt es noch den zweiten, etwas tiefer liegenden Keller. In dem spielen Nadeln und Messer genau so eine Rolle wie Kerzenwachs (viel Kerzenwachs… ich liebe die Krone, die der süße Kerl da trägt), Seile und der luftraubende Eimer mit Wasser.

Die dunklen, kontrastreichen Schwarz/Weiß-Aufnahmen erzeugen eine Atmosphäre, die mich sehr an genau die Art von BDSM erinnert, die mich vor über zwanzig Jahren in die Szene gezogen hat. Dunkel, böse, hart und schmerzhaft. Liebkosend, herzlich, achtsam und empathisch. Ich glaube, es gibt nicht ein Bild in diesem Band, das ich nicht als stimmig empfunden habe. Und keines dieser Bilder lässt auch nur den geringsten Zweifel aufkommen, dass es innerhalb einer Session geschossen wurde. Auf jedem Bild kann man die Lust und Hingabe sehen, mit denen die Protagonisten agieren. Genuss tropft aus jeder Seite.

Am Ende hat man durch die authentischen Bilder das Gefühl, eine schönen Abend mit guten Freunden beobachtet zu haben. Auch wenn (oder eher weil) die Bildwelt in Ihrer ganzen Düsternis, Ihrer Hitze und Intensität fernab von dem liegen, was uns so ganz alltäglich an BDSM-„Kunst“ im www vor die Augen kommt, hat man nach dem zuklappen des Buches die Gewissheit, mit den Protagonisten nachher in einer Lounge sitzen und ein gutes Glas Wein genießen zu können. Eine solche Nähe empfindet man selten in einem Bildband.

Jo Pollux und Sadie Lune - As you wish my Lady

Die Texte

In den Texten klärt uns Sadie Lune auf über die Regeln, die in Ihrem Haus für die gelten, die eine Session mit Ihr erleben wollen. In den Rules of the House geht es um die Grundpfeiler einer jeden Session:

  • Consent (Einwilligung)
  • Safeword (Safeword)
  • Negotiation (Verhandlung)
  • Mutual Responsibilty (Gegenseitige Verantwortung)
  • Etiquette (Etikette)
  • Protocol (Protokoll)
  • Body (Körper)
  • Attire (Garderobe)
  • Exhibitionism/Voyeurism (Exhibitionismus/Voyeurismus)
  • Breath (Atem)
  • Aftercare (Nachsorge)

Ungeachtet der Zeit, die ich jetzt schon in der Szene verbringe muss ich sagen: diese Rules of the House sind etwas, das sich jeder, der auf der aktiver Seite unterwegs ist, verinnerlichen sollte. Sie sind durchdacht, konsequent und einfühlsam zugleich. Wer also eine Session plant oder einen Abend mir Freunden, der ist gut beraten damit, sich diese Reglen einmal zu Gemüte zu führen.

Sadie Lune gibt uns mit diesen Regeln einen Einblick in Ihre Sicht auf das herrliche Spiel mit Macht, Schmerz, Lust und Unterwerfung. Obschon diese Regeln in Ihrem Sinn nichts neues sind, insofern jedem, der nicht erst seit gestern BDSM betreibt , logisch sein sollten, sind sie hier in eine Form gebracht, die gleichwohl ästhetisch und geradlinig ist.

As you wish my Lady

Ich kann hier gar nicht anders als zu sagen, jeder, der intensive Sessions und intensive Fotografie mag, kann hier getrost zugreifen. Die erste Auflage ist beim Konkursbuch Verlag erhältlich und beträgt 1000 nummerierte Exemplare.

My Lady likes a dark space underground, we’ve all spent time there but none of us know the way. We wait for her inside ourselves, touching each other maybe. She first appears as clacking boots and crushed fig leaves on a stairway, then the boots slacken until still. You are welcome to enter …

Jo Pollux und Sadie Lune – As you wish my Lady
As you wish my Lady
Bildband von Jo Pollux und Sadie Lune
144 Seiten
Hardcover gebunden
Englischer und deutscher Text
Erschienen im Konkursbuch Verlag
ISBN 978-3-88769-664-1

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