Das Problem mit der „O“ – Party

Beziehungsweise warum sie so häufig scheitern…

In regelmässigen Abständen geistern sie durch die Gegend: Die diversen Abende, Nächte, Wochenenden, whatsoever, der „O“.

Was damit gemeint und gewollt ist, ist eigentlich offensichtlich: Eine Male-Dom – Party mit striktem Dresscode, Regeln, Fremdbenutzung/-bestimmung und einem gewissen Überschuss an dominanten Herren. Klingt doch ganz einfach. Oder?

Woran liegt es also, dass die meisten (wenn nicht alle) dieser Parties zum Scheitern verurteilt sind?

Ich möchte es mal am letzten Beispiel, das mit über den virtuellen Weg gelaufen ist, erklären. Martin vom deutschen Blog Training of O möchte versuchen, einen solchen Event zu veranstalten. Seine Ideen dazu hat er in seinem Posting TheTrainingOfO goes #SecretNight – Teil Eins – Die Idee mal gesammelt.

Ich gehe hier jetzt davon aus, dass eine solche Party auch einen wirtschaftlichen Hintergrund hat. Also sehe ich Doms und Subs hier in erster Linie als Kunden. Meine Kritik ist also nur bedingt auf zum Beispiel private Spielkreise zu übertragen.

Als erstes sollen die Subs gebrieft, also mit den Regeln des Hauses, bekannt gemacht werden. Im Prinzip haben wir das schon die erste Hürde. Wenn ich als Kunde meine Sub oder „O“  für eine solche Veranstaltung zur Verfügung stellen soll, möchte ich vor der Buchung und dem zahlen wissen, was auf Sie zu kommt. Und sind wir ehrlich, in den meisten Konstellationen will Sie das auch. Auch wenn das dem Prinzip des absoluten Gehorsams einer „O“ widerspricht.  Aber ok, hier können wir nochmal davon ausgehen, dass der dominante Part vorher die Regeln kennt und diese für seine „O“ gutheißt.

Das ganze soll dann, wie meistens, von einer vom Veranstalter gestellten, übergeordneten Instanz (hier dem ‚Hausdom‘) erledigt werden. Und hier tritt das nächste, in meinen Augen nicht mehr so kleine, Problem auf. Bei Martin heißt es:

Der Hausdom braucht jedoch den Durchgriff auf die „O“ ’s um ggfs. schädliche Anforderungen widerrufen zu können. Somit unterliegen auch die begleitenden Herren seinem grundsätzlichen Kommando.

Braucht die „O“ diesen speziellen Schutz?

Und schon haben wir das Dilemma: ein Dom, den ich nicht kenne, soll Verfügungsgewalt über meine Sub ausüben und dann auch noch das Recht haben, mich zu toppen? Ich verstehe durchaus das Prinzip dahinter und auch den Gedanken. Allerdings wage ich zu bezweifeln, das sich viele dominante Herren mit dieser Konstellation wirklich anfreunden können.

Der nächste Grund, warum solche Veranstaltungen nur selten das halten, was an Erwartungshaltung geweckt wird, ist verbunden mit dem Konsens, den ein Paar für sich hat.

Prinzipiell ist ein Leben im Stil der „O“ ja ein Leben im Bereich des „consensual non-Consent“.

Das ist allerdings ein Stil des BDSM der sehr viel Vertrauen und gegenseitiges kennen verlangt. Also begrenzen wir hier automatisch die potentiellen Kunden um einen großen Teil der Community, nämlich um alle, die

  1. nicht in einer Partnerschaft leben, in der das Spielen mit anderen Teil der Dynamik ist und
  2. alle, deren Konsens auf Sessions oder sonst irgendwie begrenzt ist

Da diese Klientel doch sehr begrenzt ist, wird das Konzept aufgeweicht, eben auch hier.  Martin schreibt:

Die „O“ ’s erhalten eine besondere Kennzeichnung per Armband. Es gilt das Ampelsystem. Rot bedeutet, dass kein Fremdbespielen möglich ist. Gelb, dass Fremdbespielen möglich, aber der Dom um Erlaubnis zu bitten ist. Grün, dass Fremdbespielen ohne Erlaubnis möglich ist.

Ich glaube, dass wir uns einig sind:

das hat dann schon nicht mehr viel zu tun mit dem oben genannten Konzept. Effektiv sieht es dann so aus: ein paar Einzelne Tops stürzen sich auf die eine oder zwei Subs mit grünem oder gelben Band während die anderen 30 Paare mit rotem Band Ihr Ding durchziehen. Man mag mir jetzt Unkerei vorwerfen, aber das ist die Erfahrung, die wir auf vielen Partys, die diesem oder einem ähnlichen Konzept folgten, machen mussten.

Martin sagt auch:

Es ist völlig klar, dass eine solche Veranstaltung für Anfänger im „O“-Segment ein wenig heftig sein könnte. Vor allem für die „O“ ’s. Allerdings sollen sich auch die Anfänger-„O“ ’s ein wenig präsentieren dürfen (und müssen), weil für erste Erfahrungen kommt man ja in diese Veranstaltung und nur mit Zuschauern funktioniert es halt nicht .

Dazu meine ich, dass es auf keinen Fall ein Anfängerkonzept ist, richtig. Aber sind wir mal ehrlich: Parties, die damit werben auch für Einsteiger geeignet zu sein, gibt es wie Sand am Meer, für den Nachwuchs ist gesorgt. Das, was wirklich fehlt, sind mutige Parties von mutigen Veranstaltern. Traut euch doch mal, eine Party mit echten Regeln zu machen. Vergesst die verdammten Bändchen. Eine Frau, die wirklich mal eine „O“ sein will, Sklaven, die sich wirklich mal ‚versteigern‘ lassen wollen, Opfer für Public Disgrace oder CFNM/CMNF-Liebhaber wollen das pur erleben und benötigen keine Ausstiegsregelung. Ganz im Gegenteil!

Wenn die „O“ fremdbestimmt werden möcht, wenn Ihr Dom Sie freigeben möcht, sind solche Ausnahmen ein Dealbreaker!

Nennt mich blauäugig, aber ich glaube immer noch daran, dass ein Großteil der Menschen in der Szene sehr gut wissen, was Sie wollen. Und ich vertraue auch darauf, das jede dominante Herr hier genug Erfahrung und auch Mannhaftigkeit hat, seine „O“ bei einer Veranstaltung entsprechend zu stützen und zu schützen.

Das es auch anders funktionieren kann, zeigt übrigens eine Party, die mein Mädchen und ich immer wieder gerne besuchen: Die MaleDom CMNF – Party in Dortmund! Dort achten die Veranstalter sehr darauf, dass das Thema oder das Konzept von allen Gästen eingehalten wird. Dadurch sind zwar immer ein paar weniger Besucher auf der Party, abreise wollen im großen und ganzen das Selbe. Und auch Anfänger werden da nicht allein gelassen.

Auch ich hatte ja ein Konzept für eine Brunch, bei dem es ein klares Protokoll gebe nur sollte. Dieser Event könnte leider nicht stattfinden, aber

Hätten doch nur mehr Veranstalter diesen Mut, wir alten Hasen hätten auch öfter mal was neues!

Eine Antwort auf „Das Problem mit der „O“ – Party“

  1. Vielen Dank für die konstruktive Kritik an meinem Blog.
    Das weiß ich wirklich sehr zuschätzen. Und werde es auch beherzigen.

    Nun folgt das … Aber 😉

    Ginge es nach mir alleine, dann würde ich ziemlich genau so mutig voran schreiten.
    Jedoch sind mir vom Konzept her ein wenig die Hände gebunden, da der Rahmen der #SecretNight einfach gegeben ist. Und dieser begrenzt meine Möglichkeiten, da ich diesen „Ausflug“ eben innerhalb der #SecretNight tätige.

    Jedoch hast Du den Artikel (vor allem auch Teil Zwei) nicht vollständig gelesen, was ich mir bei Dir gar nicht vorstellen kann. Natürlich bekommen alle Menschen, die sich dafür interessieren vorab ein PDF, wo die Regeln erläutert werden und dieses ist von allen abzuzeichnen.
    Dies geschieht entweder direkt nach der Anmeldung oder eben auf Anfrage vorab.

    Den Gedanken mit dem „Oberdom“ habe ich vielleicht nicht richtig durchformuliert. Das werde ich nachholen. Mir geht es darum, dass es eine Instanz geben muss, welche die Regeln durchsetzt. Über diesen Passus werde ich mir gezielt neue Gedanken machen.

    Nochmals danke für Deinen Input 🙂

    Martin

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