Pain and pleasure and the things between

So, das erste Voting ist abgeschlossen. Es soll also um den Schmerz und das Drumherum gehen. Ich sitze jetzt gerade in der Bahn, auf dem Weg ins Büro, da beschäftige ich mich doch gerne, zumindest mental, mit solch schönen Themen!

Aber ich denke, als erstes muss ich hier den Einen oder Anderen enttäuschen. Was unsere vielgeliebten Subs, Slaves und andere masochistischen Gegenparts an dem Schmerz erotisieren, das wird auch für mich ewig eines der ungelösten Mysterien bleiben. Es würde mich freuen, wenn sich in den Kommentaren die ‚Andere Seite‘ zu Wort meldet und den Nebel da ein bisschen lichtet. Fühlt euch eingeladen!

So, jetzt aber zum eigentlichen Thema

Was schreibe ich jetzt über Schmerz, was euch interessieren könnte? Ich denke, über die Techniken, wie was zu handhaben ist, was ist dumpfer, was stechender Schmerz, wo darf ich, wo darf ich nicht, darüber sind schon tausende Zeichen geschrieben worden. Da muss ich nich noch weitere hunderte Zeichen schreiben. Schreib‘ ich doch einfach darüber, was es für mich bedeutet, Schmerz zu geben, zu sehen und zu nutzen.

Die erste Frage, die ich mir stelle, bevor ich eine Session, in der Schmerz eine Rolle spielt, ist: Was will ich erreichen?

Schmerz erzeugt Aufmerksamkeit
Das ist eine einfache, schnelle und effektive Methode, die mit Painplay eigentlich gar nichts zu tun hat. Ein kurzer Schmerz, der dazu dient, bei sub „einzuchecken“. Ein schneller, kurzer Schmerz, gerne auch etwas, wovon wir wissen, dass Sub es gar nicht mag, um zu testen, ob Sub im Subspace abgerauscht ist oder ob man noch nah beieinander ist. Bei einer Spankingsession oder während einem meditativen Flag mit dem Paddle zwischendurch mal in eine der Backen kneifen, etwas stärker über den Rücken kratzen oder ähnliches, und Ihr merkt schnell, in welchem Headspace sich sub befindet. Das ist eine Form von einchecken, ohne Stimmung oder Gefälle einzubüßen.

Es kann auch als ‚Reminder‘ eingesetzt werden, sollte es zum Beispiel neue Regeln oder Aufgaben geben, an die man in der Startphase erinnern möchte, bevor man direkt zur Strafe greift.

Meditativer Schmerz
Das ist ein bisschen wie trommeln oder tanzen … Durch das Gleichmäßige, die monotone Bewegung in Verbindung mit der Konzentration darauf, den Impact gleichmäßig zu halten oder stetig leicht zu steigern, erreicht man als Aktiver einen genauso meditativen Trance-Zustand oder Headspace, wie Sub. Hier kommt es vor allem auf Takt, Stärke und Steigerung an. Zu schnelle Wechsel in der Intensität können Sub innerhalb von Sekunden aus dem Zustand holen, in den Ihr Sub lange und mit Geduld gebracht habt.

Ausserdem empfinde ich es so, dass man sich über dieses langsame Steigern sehr nahe kommt. Die Aufmerksamkeit wird durch die stetige Wiederholung sehr auf den empfangenden Partner fokussiert, die Bindung zwischen den Partnern wird in diesem Moment sehr intensiv.

Pain for fun – der Lustschmerz

Hier kommt dann ein Ding, das polarisiert. Der Schmerz ‚aus Spaß‘, der, der dem puren Lustgewinn des Passiven dient. Hier gilt es jetzt, sich das Machtgefüge mal genauer anzusehen. In einer Beziehung, in der sich ein sadistischer und ein masochistischer Mensch getroffen haben, ist das vollkommen Ok, der Sadist zieht Lust daraus, dem Masochisten Schmerzen zuzufügen, aus denen dieser Lust zieht. Insofern die perfekte Erfüllung komplementärer Bedürfnisse.

Kompliziert wird das Ganze dann, wenn wir die beiden anderen Facetten noch mit hinzunehmen: Das devote und das dominante Element. Hier besteht dann, zum Beispel bei Masochisten die Gefahr, das der Partner ein purer Erfüllungsgehilfe wird. Trifft ein dominater Mensch, der das Machtgefälle und das Spiel mit Kontrolle liebt, auf einen puren Masochisten, dann kann er zu dem berühmt-berüchtigten ‚Wunscherfüller-Dom‘ werden. Die Macht und die Kontrolle in der Beziehung, die für den Dominanten ein großer Bestandteil ist, wird für den Masochisten eher ein Mittel zum Zweck. Es geht dem Masochisten dann eher darum, die Regeln zu brechen, um den erwünschten Schmerz zu erhalten. Je nach Ausprägung des Masochismus ist da der Frust fast schon vorprogrammiert. Das Bedürfnis des Dominanten kann gar nicht gleichzeitig mit dem Bedürfnis nach Schmerz beim Masochisten befriedigt werden. Ebenso sieht es bei Partnerschaften von Sadisten und devoten Menschen aus. Das Dienen des Submissiven wird den Sadisten nicht erfüllen, die Gefahr, dass Frust durch schier unlösbare Aufgaben werden den Submissiven schnell an die Grenzen bringen. Der Sadist, auf der anderen Seite, kann der hingebungsvollen Unterwerfung nicht den Respekt entgegenbringen, der gewünscht und verdient wird.

Bei solch ungleichen Konstellationen ist daher ein konsequentes Machtgefälle, also 24/7 oder TPE etwas, das genaue Absprache und Kommunikation erfordert. Hier muss dann darauf geachtet werden, dass nicht immer einer für die Bedürfnisse des Anderen zurücksteckt. Ist die BDSM-Beziehung hier auf Sessions aufgebaut, dann ist das Ganze auch simpler zu lösen, indem man eben die einzelnen Sessions so vereinbart, das jeder (mal) auf seine Kosten kommt oder die Sessions so gestaltet werden, das innerhalb des Ablaufes beide die Möglichkeit haben, Ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Pain as punishment – Schmerz als Strafe

Last but not least: Die körperliche Züchtigung, also das Corporal Punishment.

Die Vanilla-Welt hat wahrscheinlich immer noch das Bild im Kopf, dass es im BDSM nur um Bestrafung geht, der Erziehungs- und der Aspekt des Dienens, über den ich auch hier schon geschrieben habe. Ja, auch Strafe hat natürlich Ihren Platz in unseren Spielen, aber die Bestrafung ist einfach nur ein Teil des großen Bereichs, den Painplay bei uns ausmacht. In meiner Partnerschaft ist die Bestrafung ein Bestandteil, der nur nach einem (ritualisierten) Gespräch folgt. Nach dem Essen und dem Abräumen des Tisches steht meine Frau, Unterame und Handflächen auf der Tischplatte, da, und wir besprechen, was ich erwartet habe, was getan wurde und welche Verfehlungen passiert sind. Je nachdem, wie diese Beichte abläuft, ist natürlich auch ein Vergeben des Vergehens möglich. Strafe ist für uns, auch bei Verfehlungen, kein Muss. Wichtig ist viel mehr, dass Sub weiß, was falsch war, gelernt wird durch gelehrt bekommen, der Dominante, der seinen Willen „in sub prügelt“ (natürlich im Konsens) wird meiner Meinung nach viel seltener Erfolge in der Erziehung haben, wie der, der Sub zeigt, wass getan werden muss.

Köperliche Züchtigung hat bei uns auch eigene Werkzeuge; diese wird ausschließlich mit einem bestimmten Rohrstock oder dem Lederriemen des Gürtels ausgeführt. Dadurch bekommt der Schmerz der Züchtigung noch eine eigene, von den anderen Schmerzarten abgelöste, Note. Natürlich kann Sub auch diesen Schmerz erotisieren, aber es sind bei uns die Instrumente, die den bleibensten Eindruck hinterlassen. Bei der körperlichen Züchtigung wird auch nicht aufgewärmt, es soll nicht so sehr der Lusteindruck erweckt werden, wie zum Beispiel beim Spielen mit dem Lustschmerz.

Während der bei uns eher in langen, daher auch leider eher seltenen, Sessions abläuft, ist das Korregieren und Strafen etwas, das regelmässig(er) erfolgt und meiner Meinung nach auch erfolgen muss. Hier ist also Disziplin nicht nur von Sub sondern auch von Top gefragt. Auch eine Strafe ein oder zwei Wochen nachträglich halte ich für falsch. Es ist wichtig, das Züchtigung auch als solche mit dem Grund verbunden werden kann, um einen Effekt zu erzielen.

Ich bin dann jetzt mit meinen Ausführungen und Gedanken zum Schmerz soweit durch und ich würde mich sehr über euer Feedback für diese erste Kolumne freuen.

P.S: Mein Lieblingstoy!

Eine geflochtene Quirt, einen knappen Meter lang und recht steif. Sie lässt sich sehr gut handhaben. Sie ist, durch den weichen Ledercracker, sehr gut dosierbar. Leichtes, schnelles Whipping in Achten oder Schleifen ist sehr schön für das Warm-Up, durchgezogen gibt Sie wunderschöne Marks. Durch die Steifheit ist sie sehr zielgenau, was auch ein Whipping der Brust ermöglicht. Gefunden habe ich sie bei McHurt.

Und was ist eure erste Wahl? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

Ansonsten wünsche ich euch eine tolle Woche, keep Kinky!

Eine Antwort auf „Pain and pleasure and the things between“

  1. Also das Wort „Strafe“ mag ich persönlich ja rein gar nicht, weils ja doch irgendwie an Schule erinnert oder Kiddies die sich gegenseitig Strafen wollen.

    Oder was auch immer, vielleicht sollte man einfach die Person die das Wort „Strafe“ erfunden hat erschiessen lassen, aber vermutlich eh viel zu spät da schon seit Jahrhunderten inner Kiste vermodert.

    Ich persönlich bevorzuge da das Wort „Korrekturmassnahme“ das hat was majestätisches und ergibt in mir einen ganz anderen Kitzel als das Wort „Strafe“ vermutlich daraus resultierend weils schon so oft verbraucht worden ist wie das Wort „geil“.

    Vielleicht bin ich aber auch nur Wortfetischistin, weil ich „Korrekturmassnahmen“ toll find, weil ich „Gebrauchsfähigkeit der Sklavin“ toll find, weil ich „Bodennahe Haltung“ toll find.

    Warum dem so ist weiss ich auch nicht, aber es erzeugt mehr Kitzel als banales von Hinz und Kunz verbrauchtem Vokabular das so oft sinn und Hirnlos eingesetzt wurde als das es eben dieses kribbeln nicht mehr erzeugt.

    Was an Schmerz toll ist hab ich nach den ganzen Jahren immer noch nicht herausgefunden.
    Ich glaub Schmerz, für sich alleine stehend, ist noch nicht mal für wen der maso ist, zu ertragen.

    Denn wenn dem so wäre müssten ja alle Menschen denen so wie ja auch mir unterstellt wird aus Holz zu sein oder gar maso ohne Ende, das allerhöchste Vergnügen schon darin bestehen sich täglich den Finger in der Tür oder in der Schublade einzuklemmen, oder sich inner Werkstatt den schweren Schraubenschlüssel auf den Zehen fallen zu lassen.

    Ich kann wie gesagt mit Schmerz alleine auch nichts anfangen, bin eher froh wenn ichs nicht habe.

    Anders sieht das ganze aus wenn das Umfeld psst, das Bild in das man sich hineinfügen möchte, in diesem allumfassenden Bild mit allem drum und dran wohl fühlen.

    Das ist wie Korsett tragen, geh mit nem Partner der auch noch das Recht hat über dich zu bestimmen auf nen Event, trage dein heissgeliebtes Korsett, das ER dir dann ja auch noch mit vollster Herzensgüte geschnürt hat, als das dir die Luft wegbleibt und du innerlich schon wieder anfängst wegzuschmelzen, was man aber nie zugeben würde.

    Diese Form von Schmerz man ja als durchgehender Dauerzustand dann ertragen muss, das allerhöchste eines jeden Masochisten, man kann dem Schmerz, der Anstrengung nicht entweichen, man muss sie ertragen, stöhnt folglich auch oft vor sich hin, weil man ja eigentlich erlöst werden möchte aber eigentlich ja doch wieder nicht.

    Denn es geht hierbei ja nicht nur darum den Schmerz zu ertragen, sondern den Schmerz auch für deinen Partner zu ertragen, auch wenn dieser diesen Schmerz als solchigen gar nicht wahrnimmt, sondern eher an andere Dinge denkt, wie zB irgendwelche fieses Zeugs das man mit fiesen kleinen Klammern und Gewichten dran dir an die Nippel hängen kann, um dann den Anblick zu geniessen wie du unter diesem weiteren Schmerz fast in die Knie gehst.

    Ich glaube nicht das man einem der selber gar nicht auf diese Form von Schmerz steht, erklären kann, warum man selber so darauf steht.

    Man muss es fühlen, man muss es leben, man muss sein wie man ist um so zu sein wie man eben ist.

    Wenn das zufügen dieser Sorte von Schmerz, was ja auch durch immense Kraftaufwendung, körperlicher Einschränkung, Immobilisation, Knebeln und CO. dein eigentliches ICH weckt, und du das Gefühl hast nur so dein wahres ICH erleben zu können, dann bist vermutlich maso.

    Ich kann da ja nur von mir selber sprechen.

    Und niemals für die anderen.

    Ich glaub auch das echter Masochismus nicht das ist was manche meinen das es so wäre, sondern eben genau andersrum.

    Es geht nicht darum alles mögliche zu tun, um das Gegenüber zu reizen bis es dir dann Schmerz gibt den du offensichtlich eh brauchst.

    Ich glaube vielmehr das echter Masochismus viel weiter gesteckt ist als wie von vielen angenommen.

    Es ist schon Masochismus nicht zu betteln Schmerz zu bekommen, sondern darauf zu warten bis der Schmerz dich ereilt, um ihn dann in vollen Zügen annehmen oder gar geniessen zu können, oder auch zu hassen.

    Man nimmt es hin wie es kommt, das ist für mich echter Masochismus, nicht darum zu betteln, das kann ja schliesslich jeder und jede.

    LG
    s29

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