Dinge, die die (BDSM)Welt nicht braucht…

Heute habe ich auf ‚the amative‘ einen Bericht über eine SM-Comedy-Veranstaltung gelesen. Und das brachte in mir mal wieder den Gedanken auf, in wie weit wir, die SMer, es eigentlich als erstrebenswert ansehen sollten, die Schnittstellen zur Vanillawelt sperrangelweit offen zu halten.

Ich rede jetzt hier nicht nicht von Selbstausgrenzung, und natürlich will ich den SM nicht gettoisieren.  Aber was bringt es für die Akzeptanz von SM als sexueller Neigung wirklich, wenn wir die Türen aufmachen für Menschen, die dieser Spielart nichts abgewinnen können, für die das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, Schmerz und Lust höchstens aus ‚intellektuellen‘ oder aus ‚Recherche‘ – Gründen interessant ist? Damit machen wir die Türen auf für eine Art von Berichterstattung, die nur eines will: mit dem Thema SM Reichweite erzielen.

Ich finde, wir müssen wieder vorsichtiger werden, wenn wir das Bild von SM in der Öffentlichkeit besser darstellen wollen. Sonst gehen wir immer weiter den Weg, der für mich schwer zu akzeptieren ist: SM kommt aus der Perversenecke raus und wird zur Freakshow. Aber ganz im Ernst: Ich sehe mich lieber als Pervy wie als Freak oder Quotenfüller. Und bevor ich mir noch mehr Pseudoberichte wie den oben genannten, der sich über gefühlte 2/3 seiner länge nur mit den Gewichtsproblemen und den modischen FauxPas einzelner (oder auch mehrerer) auseinandersetzt, konfrontiert sehe, dann verzichte ich doch lieber auf die ‚Akzeptanz‘ dieser Menschen.

 Zitat:
allerdings möchte sie erwähnen, dass sie selten eine dermaßen große Anhäufung von bis zum Bersten gefüllte Spitzenstrumpfhosen in Übergrößen zu Gesicht bekommen hat.

3XL scheinen Standard bei männlichen Tops zu sein

Die anwesenden Doms waren in – wiederum – zwei Kategorien unterscheidbar.

Die eine Gruppe war von der Evolution dahingehend beschenkt, dass sie aufrecht gehen konnte. (Ob sie dies auch heute noch kann, bleibt der Autorin dieses Beitrags verschlossen)
Die andere war immerhin in der Lage ihren Namen schreiben und lesen zu können.
Die Splittergruppe bestand hingegen aus der intellektuellen Fraktion. Jenen Tops also, die ihre submissiven Partner mit Mantras, Seidenschals, Tiefsee-Tauen und geistreichen Besprechungen von einem sexuellen Höhepunkt zum nächsten melken.
Erkennbar ist dieser Typus Dominus an seinem – ihn Ehren – ergrautem Pferdeschwanz, seiner Interesse heuchelnden Körperhaltung sowie einem nicht zu übersehenden Zinken mitten im Gesicht.

Sorry, aber auf solche ‚Berichterstattung‘ kann man getrost verzichten. Weder bringt Sie den interessierten die Welt von BDSM näher, noch ist es unterhaltsam. Es ist ein pures reiten auf den Klischees, über die Veranstaltung selber wird kaum ein Wort verloren. Da halte ich es doch lieber mit den Worten einer sehr weisen Frau, die sagte ‚Bevor Du nur schlechtes über etwas sagen kannst, beiß‘ die lieber auf die Zunge‘

Danke, Oma!

Update 29.01.2012

the amative hat den Bericht heute gelöscht. Nach eigenen Angaben da „einige meinen die  Klischees, die sie selbst aufgestellt haben, bedienen zu müssen.“

Ich wüsste nicht, welches Klischee ich da erfüllt haben sollte. Weder trage ich Spitzenstrumpfhosen, noch 3XL, Seidenschals für Bondage lehne ich ab und einen ergrauten Pferdeschwanz trage ich auch nicht.
Alles, was hier passiert ist, war die Berichterstattung zu kritisieren.

Meiner Meinung nach ist das Sinn und Zweck eines Blogs, Kommunikation offen zu halten und zu diskutieren. Wenn ich etwas veröffentliche, dann muss ich damit umgehen können, das es Menschen gibt, die anderer Meinung sind. So zu reagieren, wie das hier jetzt passiert ist, das lässt mich daran zweifeln, wie sehr die Autorin des Berichts hinter dem steht, was Sie schreibt.

Aber ein Klischee wurde bewiesen: Sobald in diesem weltweiten knuddeln, dass sich Internet nennt, mal Gegenwind herrscht, zur Diskussion aufgerufen wird, kritisiert wird, nutzt man lieber die ‚del‘-Taste als sich damit auseinanderzusetzen.

Eine Antwort auf „Dinge, die die (BDSM)Welt nicht braucht…“

  1. Hm, ich finde die Frage, inwieweit BDSM in die Öffentlichkeit geraten und diskutiert werden soll, auch etwas schwierig. Es wäre schön, wenn BDSM, Homosexualität und andere „sexuelle Abarten“ einfach etwas mehr toleriert werden würden im Sinne von „okay, sie existieren, soll doch jeder machen, was er will“. Aber eine Freakshow, um deine Worte zu benutzen, soll es nun auch nicht werden.
    Ich bin einfach mal gespannt, wie sich alles so weiter entwickelt..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.