Outomainacs

Bei meinen Streifzügen durch die virtuellen Räumen dieser Szene ist mir in den letzten Tagen mal wieder etwas aufgefallen:

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens eine(r) sich ausweint, dass die Gesellschaft Ihn ja so wenig versteht, nur weil Er oder Sie sich umfassend outete haben sich ja so viele Freunde abgewendet….

Tragisch, keine Frage, aber vorauszusehen…

Was zum Teufel soll aber eigentlich dieses ganze geoute, warum diese Aggressivität, mit der die Szene oder Teile davon, auf einmal raus gehen und Ihren Sex vor allen ausbreiten?
Ich meine, will ich wirklich wissen, wie mein Kumpel, meine Arbeitskollegen, der Pförtner und mein Busfahrer poppen?
Nein, nicht wirklich…

Warum also soll ich raus gehen und der Welt die Tür zu meinem Schlaf-/ Spiel-/ Fick-/ Was-auch-immer – Zimmer aufmachen?

Oft wird als Argument angeführt, dass wir SMer uns doch ein Beispiel nehmen an der Gay-Szene, die sich durch das outen ja in die ‚Normalität‘ der sexuellen Leidenschaften ‚geoutet’  haben.

Schönes Beispiel, aber meiner Meinung nach nicht ganz passend.

Den Homosexuellen ging es eigentlich nicht um das Sexuelle, es ging um das Recht, seine Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen, und das ist etwas, was wir SMer schon immer und ohne Probleme tun können, und zwar die Heten wie die Gays (jetzt). Ergo besteht für die SM-Szene meiner Meinung nach überhaupt kein Bedarf für globales outen.

Natürlich ist das so global nicht festzumachen. Jemand der innerhalb der Szene einen Stand hat, der durch oder mit der Szene sein Geld verdient, der wird über kurz oder lang um ein gewisses Outing nicht herum kommen.
Auf der anderen Seite gibt es garantiert auch den, dem ein Outing definitiv Schaden würde, eine katholische Kindergärtnerin, die in Ihrer Freizeit Ihren Mann oder gar Ihre Männer schlägt, sollte sich da eher bedeckt halten.

Ich denke, viel wichtiger als eine aggressive Kultur des outens ist der offene Umgang mit sich und seiner Lust. Steht doch offen zu der Gerte an der Wand, den nett drapierten Toys in der dezent ausgeleuchteten Vitrine, das ist euer Lifestyle in eurem Lebensraum, Ihr bestimmt, wer was sieht und Ihr habt die Chance, den Leuten, die Ihr für wichtig haltet, eure Art zu leben und zu lieben näher zu bringen.

Also, wenn Ihr der Meinung seid, eure Freunde können und vor allem wollen mit eurer Sexualität umgehen, dann zieht sie ins Vertrauen, aber hört auf, das ganze als Outingkultur und Notwendigkeit für die Emanzipation der Szene anzusehen, denn der SM hat ein Outen nicht nötig.

So kann man  SM eher in den Toleranzbereich der Gesellschaft tragen als durch das Outen auf Teufel komm raus.

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